Ich habe die ersten vorgelegt bekommen. Sie sind verständlich geschrieben, jedoch von der Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion verbesserungswürdig. Z. B. wird bei dem Mehrzahl-S ein Apostroph vorangestellt: BA's, Mappei's. Kommas fehlen oder sind falsch gesetzt. Über einiges habe ich hinweggesehen, weil die Blätter sonst nur noch rot wären. Gröbste Grammatikfehler habe ich angestrichen.
Ich persönlich tendiere dazu, gerade die Mehrzahl-Aprostroph-S anzusprechen, auch wenn sich diese falsche Schreibweise inzwischen eingebürgert hat. Bei den Kommas - okay, das ist ja schon für uns manchmal ein Problem, da sehe ich über einiges hinweg.
Ich bin mir überhaupt nicht sicher, wie genau ich sein soll und wie tolerant. Mir ist inzwischen auch klar geworden, dass die bisherigen Ausbilder in Bezug auf Rechtschreibung nicht so firm sind wie ich. Ich weiß auch, dass es Ausbilder gibt, die jedes falsche Pünktchen und unglückliche Formulierung breittreten. So will ich definitiv nicht sein. Also wo ordne ich mich ein, wie kritisch bin ich, wie tolerant?
Könnt ihr mir ein paar Gedankenanstöße, Hinweise, Erfahrungsberichte dazu geben? Freitag führe ich das erste Gespräch, und ich möchte dann für mich eine Linie gefunden haben.
Erfahrungswerte habe ich leider keine, aber ich würde es wohl auch so machen, wie du. In puncto Rechtschreibung tun sich bei vielen Menschen wahre Abgründe auf und es schadet sicher nichts, wenn du denen auf die Sprünge hilfst. Vielleicht bleibt für die Zukunft ja was in den grauen Zellen hängen?
Sind die Berichte auf Einzelblättern oder in einem Heft? Danach würde ich auch entscheiden, wie viel ich markiere und anmerke, denn ggf. kann das Blatt neu geschrieben werden.
Generell halte ich es für sehr wichtig, dass auffällige/häufige Fehler auch angestrichen werden. Es wird oft viel zu wenig darauf geachtet. In der jetztigen Zeit sowieso, wo selbst die Lehrer häufig verunsichert sind.
Um welche Ausbildung geht es? Gewerblich oder kaufmännisch? Bei gewerblichen würde ich nicht so darauf achten, bei Kaufleuten schon eher, denn Rechtschreibung wird dort wirklich benötigt.
Britta, sorgfältig sind sie geführt. Tip-Top! Was den Inhalt und Satzstellungen angeht, so kann ich nicht meine Messlatte anlegen, weil ich einen ganz anderen Zugang zum geschriebenen Wort habe, alleine schon deshalb, weil ich Pressetexte verfasst habe. Ich werde hier Empfehlungen geben, z. B. statt ständig "muss ausgefüllt werden" lieber "wird ausgefüllt" schreiben. Das jedoch ist jedem selber überlassen.
Was gehört überhaupt zum Aufgabengebiet eines Ausbilders? Für mich gehört auch dazu, dass die Ausbildungsnachweise nicht vor Fehlern strotzen. Wenn es an der Rechtschreibung hapert, und mir fallen gravierende Dinge auf, wer sonst außer mir sollte es korrigieren?
Käfer, *lach* genau dieses "gnadenlos", da weiß ich nicht, wo ich die Grenze zwischen überpingelig und konstruktiv korrigierend setzen soll.
Eure Antworten bringen mir auf jeden Fall was, ich bin sicher, am Freitag werde ich eine Marschroute für mich gefunden haben. Also bis dahin gerne weiter kommentieren.
Auch wenn du dich verantwortlich fühlst, so sehe ich es nicht als deine Pflicht an, den Jungs und Mädels Rechtschreibnachhilfe zu geben. Allenfalls kannst du für die Rahmenbedingungen sorgen: In der Berufsschule ist Deutsch i. d. R. ein Unterrichtsfach. Was wird da gemacht? Außerdem könntest du eine innerbetriebliche Fortbildung zum Thema Neue Deutsche Rechtschreibung anregen (vor allem für gestandene Mitarbeiter), zu der auch die Azubis zugelassen/eingeladen werden.
*lach* Kiki, ich weiß genau, was ich ernten werde, wenn ich diesen Vorschlag mache: Unverständnis. Zumal die Leute hier am Anschlag sind. Aber vielleicht gibt es IHK-Kurse zu diesem Thema. Unser Azubis dürfen sich 2 x im Jahr einen Kurs aussuchen. Das wäre eine Anregung. Und ich mache da gleich mit .
Als Pflicht sehe ich es auch nicht, Rechtschreibnachhilfe zu geben. Es geht mir in diesem Fall mehr um's Korrigieren. Wie pingelig soll ich sein?
Ich glaub, ich könnte gar nicht anders, also pingelig zu sein. Ist aber natürlich auch eine Zeitfrage. Am Stil würde ich jetzt nicht groß rumbasteln, aber grad so Geschichten wie Apostroph oder Groß- und Kleinschreibung könnte ich nicht stehen lassen ...
Ellen, sag ihr, sie soll prinzipiell immer die Rechtschreibprüfung drüberlaufen lassen und gib ihr den Hinweis, dass sie auch auf Satzzeichen achten soll. Der Ausbildungsnachweis muss sorgfältig erledigt werden (und da gibt es keinen Unterschied zwischen kaufmännischen und gewerblichen Azubis). Wenn sie sonst sehr sorgfältig ist, müsste sie damit gut klar kommen.
Ellen hat geschrieben:... Es geht mir in diesem Fall mehr um's Korrigieren. Wie pingelig soll ich sein?
Der Apostroph gehört da nicht hin. Bei Verbindungen mit "das" wird kein Apostroph gesetzt (ums, fürs). So auch nicht bei "dem" (unterm, vorm). Bei Verbindung mit "es" kann ein Apostroph gesetzt werden, muss aber nicht (ist's, geht's).
Die Idee mit dem Seminarangebot für die Azubis finde ich sehr gut. In Verbindung mit einem übersichtlichen Regelwerk, mit dem auch danach noch gut und schnell gearbeitet werden kann, sind die Chancen sicher besser gegeben, dass sie auch danach noch damit und an sich arbeiten.
Um den Gedanken aufzugreifen: An jeden Arbeitsplatz gehört ein aktueller Duden, als Buch oder als Computerprogramm. (Bist du nicht auch Qualitätsmanagement-Beauftragte oder verwechsle ich da was?)